Start / Lexikon / Due Diligence

Begriffserklärung: Due Diligence

Bild von Benedikt Bece

Benedikt Bece

Due Diligence bei Solarparks: Was wird geprüft?

Due Diligence bezeichnet die strukturierte Prüfung eines Projekts, Unternehmens oder Investmentmodells vor einer Entscheidung. Bei Solarparks geht es darum, wirtschaftliche, technische, rechtliche und vertragliche Grundlagen belastbar einzuordnen.

Für Investoren ist die Due Diligence besonders wichtig, weil ein Solarpark nicht allein über installierte Leistung, erwartete Stromproduktion oder Renditeannahmen bewertet werden sollte. Entscheidend ist, ob Projektstatus, Flächensicherung, Genehmigungen, Netzanschluss, Erlösmodell, technische Planung, Vertragsstruktur und Betreiberpflichten nachvollziehbar dokumentiert sind.

Warum ist Due Diligence bei Solarparks relevant?

Solarpark-Projekte bestehen aus vielen voneinander abhängigen Bestandteilen. Eine Fläche kann grundsätzlich geeignet erscheinen, aber planungsrechtlich unsicher sein. Ein Projekt kann wirtschaftlich plausibel wirken, aber einen ungeklärten Netzanschluss haben. Ein Turnkey-Modell kann schlüsselfertig beschrieben werden, aber unklare Schnittstellen bei Übergabe, Wartung oder Gewährleistung enthalten.

Die Due Diligence soll solche Punkte nicht pauschal bewerten, sondern strukturiert sichtbar machen. Sie zeigt, welche Annahmen belastbar belegt sind, welche Unterlagen fehlen und welche Risiken vor einer Entscheidung genauer geprüft werden müssen.

Welche Bereiche gehören zur Solarpark-Due-Diligence?

Der konkrete Prüfrahmen hängt vom Projektmodell ab. Ein frühes Projektrecht wird anders geprüft als ein RTB-Projekt, ein Turnkey-Solarpark oder eine bereits betriebene Bestandsanlage.

Typische Prüfbereiche sind:

  • Projektstatus und Projektphase
  • Flächensicherung und Nutzungsrechte
  • Planungs- und Genehmigungsstand
  • Netzanschluss und Netzverknüpfungspunkt
  • technisches Konzept und Anlagenlayout
  • Ertragsgutachten und Standortannahmen
  • Erlösmodell, Direktvermarktung, EEG oder PPA
  • Kauf-, EPC-, O&M- und Betriebsverträge
  • Versicherungen, Wartung und Monitoring
  • Betreiberpflichten und laufende Kosten
  • steuerliche, rechtliche und wirtschaftliche Struktur

Nicht jeder Prüfbereich ist in jedem Projekt gleich relevant. Entscheidend ist, ob die Prüfung zum konkreten Projektstand und zur Investmentstruktur passt.

Due Diligence bei Kauf, Beteiligung und Projektentwicklung

Beim Kauf eines Solarparks steht häufig ein konkretes Projekt oder eine Anlage im Mittelpunkt. Dann werden projektspezifische Unterlagen besonders wichtig: Fläche, Genehmigung, Netzanschluss, Technik, Verträge, Betrieb und historische Daten bei Bestandsanlagen.

Bei einer Solarpark-Beteiligung kann der Prüfrahmen anders aussehen. Dann geht es zusätzlich um Beteiligungsstruktur, Projektbezug, Rechte, Informationspflichten, Zahlungsflüsse und Risikoverteilung. Eine Beteiligung ist nicht automatisch weniger prüfungsintensiv. Der Fokus verschiebt sich nur stärker auf Struktur und Vertragsmodell.

Bei frühen Projektrechten oder projektnahen Investments ist besonders wichtig, welche Entwicklungsschritte bereits abgeschlossen sind und welche Risiken noch bis zur Baureife, Umsetzung oder Übergabe bestehen.

Welche Unterlagen sind wichtig?

Für eine erste Einordnung können je nach Projekt unter anderem folgende Unterlagen relevant sein:

  • Projektbeschreibung
  • Lageplan und Flächenübersicht
  • Pacht- oder Nutzungsverträge
  • Genehmigungs- und Planungsunterlagen
  • Netzanschlussunterlagen
  • technisches Layout
  • Komponentenübersicht
  • Ertragsgutachten
  • Wirtschaftlichkeitsmodell
  • Vertragsentwürfe oder bestehende Verträge
  • Unterlagen zu Betrieb, Wartung und Monitoring
  • Versicherungsinformationen
  • Zeitplan und Meilensteinübersicht

Fehlende Unterlagen bedeuten nicht automatisch, dass ein Projekt ungeeignet ist. Sie zeigen aber, welche Punkte noch offen sind und wo eine vertiefte Prüfung notwendig werden kann.

Typische Missverständnisse

Ein häufiges Missverständnis ist, dass Due Diligence nur eine finale Prüfung kurz vor dem Kauf ist. Tatsächlich kann schon eine frühe Vorprüfung helfen, Projekte zu sortieren und unrealistische Annahmen zu erkennen.

Ein zweites Missverständnis betrifft Renditeangaben. Eine erwartete Rendite ist nur so belastbar wie die Annahmen, auf denen sie beruht. Ohne Prüfung von Ertrag, Netzanschluss, Erlösmodell, Betriebskosten, Verträgen und Risiken bleibt eine Renditeangabe unvollständig.

Auch der Begriff „baureif“ ersetzt keine Prüfung. Selbst wenn ein Projekt als RTB oder Turnkey beschrieben wird, müssen Genehmigungen, Netzanschluss, technische Planung, Fristen, Auflagen und Übergabeumfang konkret nachvollzogen werden.

Wie WiseGlow den Begriff einordnet

WiseGlow versteht Due Diligence bei Solarparks nicht als rein formalen Prüfprozess, sondern als strukturierte Einordnung des konkreten Projektmodells. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Projektgrundlagen belastbar dokumentiert sind und welche offenen Punkte vor einer vertieften Entscheidung geklärt werden müssen.

Dabei werden Solarpark-Kauf, Beteiligung, Projektrecht, Turnkey-Modell und projektnahes Investment nicht pauschal gleich bewertet. Entscheidend ist, welche Struktur tatsächlich vorliegt, welche Unterlagen vorhanden sind und welche Verantwortlichkeiten daraus entstehen.

Kurzfazit

Due Diligence bei Solarparks bedeutet, ein Projekt oder Investmentmodell nicht nur anhand einzelner Kennzahlen zu bewerten, sondern die dahinterliegenden Grundlagen zu prüfen. Dazu gehören Projektstatus, Fläche, Genehmigungen, Netzanschluss, Technik, Erlösmodell, Verträge und Betrieb.

Für Investoren ist Due Diligence damit ein zentraler Schritt, um Chancen, Risiken, Rechte und Pflichten eines Solarpark-Projekts nachvollziehbar einzuordnen.